Rhetorik - Künstler
Wir kennen sie nur zu gut: Unsere Haustürvertreter und unsere Telefon-Akquisiteure (jetzt neudeutsch: Callcenter Outbound).
Unter diesen Menschen - die einen nervenaufreibenden Beruf ausüben - gibt es auch angenehme Gesprächspartner, die tatsächlich den Umgang mit ihren Kunden beherrschen. Doch auch hier gibt es leider schwarze Rhetorik-Schafe, die auf Biegen und Brechen andere über den Tisch ziehen möchten.
Vertreter letzterer Rhetorik-Spezie haben meist einen Schnellkurs in Suggestivfragetechnik durchlaufen und fahren auf der schon etwas antiquierten “Ja-Schiene” (wird jedoch immer wieder gern genommen) herum.
Zur Erläuterung: Suggestivfragen sind Fragen, die so beeinflussen, dass die Antwort eigentlich schon vorgegeben ist. Zum Beispiel:
Die gewünschte Antwort des Fragestellers ist ein “Ja” und dieses Ja wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit bei dieser Art der Fragestellung auch erhalten.
Mit diesen Suggestivfragen baut der Rhetorik-Künstler nun eine “Ja-Schiene” auf. Die “Ja-Schiene ist eine etwas hinterlistige Angelegenheit, weil damit unser Unterbewusstsein hereingelegt wird: Haben wir nämlich bereits zwei- bis dreimal JA gesagt, sagen wir bei der nächsten Frage unwillkürlich - gegen unsere eigentliche Überzeugung - auch JA.. Das Unterbewusstsein wurde durch den Fragesteller auf das Wort JA programmiert. Deswegen auch der Ausdruck Schiene: Man kommt als Unerfahrener nicht mehr vom vorgegebenen Gleis herunter.
In der Praxis kann der Gesprächsaufbau so aussehen:
“Ja”
“Ja”
“Ja”
“Ja”
Eigentlich hätten wir das Geld lieber für unsere Zwecke ausgegeben , nun sind wir jedoch dem Spendensammler aus unerklärlichen Gründen (unser Unterbewusstsein) auf den Leim gegangen.
So oder ähnlich wird es uns ergehen, wenn rücksichtslose Rambo-Vertreter über uns herfallen. Doch dagegen können wir etwas unternehmen.
Allein dadurch, dass wir diese Zeilen gelesen haben, sind wir schon gewappnet. Wir haben die Taktik dieser Rhetorik-Künstler durchschaut und werden schon nach der ersten Suggestivfrage hellwach aus der Ja-Schiene herausspringen.
Oder wir spielen ein wenig mit unerem JA-Virituosen:
Auf jeden Fall sind wir jetzt gewappnet und können unseren Extrem-Vertreter rhetorisch in die Schranken weisen.
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